Zyklusunterstützung durch Hormone

Sollten sich Störungen des Zyklusablaufs im Rahmen der Diagnostik gezeigt haben, kann die dann auch gestörte Eizellreifung durch den Einsatz von Hormonen korrigiert werden.

Wird die Befruchtung durch Geschlechtsverkehr (GV) zum optimalen Zeitpunkt angestrebt oder soll eine Inseminationsbehandlung erfolgen, ist es oft sinnvoll, eine leichte hormonelle Stimulation durchzuführen. Dies kann z. B. mit Tabletten (Clomifen über 5 Tage) oder auch durch tägliche Hormonspritzen in der ersten Zyklushälfte erfolgen. Nach entsprechender Anleitung durch geschultes Praxispersonal kann sich die Patientin diese üblicherweise selbst unter die Haut spritzen.

Um den richtigen Zeitpunkt für den GV bzw. die Insemination bestimmen zu können, müssen wir die Hormonwerte der Eierstöcke (Blutentnahme) zusammen mit der Eizellreifung (Ultraschall) beurteilen und im Verlauf kontrollieren. Ist die erforderliche Eizellreife erreicht, wird durch eine spezielle "Ovulationsspritze" der Eisprung ausgelöst. 

Dadurch kann genau festgelegt werden, zu welchem Zeitpunkt der Verkehr sinnvoll ist bzw. die Durchführung der Inseminationsbehandlung erfolgen muss.

Für eine künstliche Befruchtung (IVF, ICXI) sollten mehrere Eibläschen gleichzeitig ausreifen. Um dies zu erzielen, müssen in aller Regel höhere Hormondosen eingesetzt werden. Dazu werden Gonadotropine verwand. Dies sind körpereigene Hormone, die das Wachstum der Follikel (Eibläschen) direkt steuern. Die Hormone werden üblicherweise durch Selbstinjektion unter die Haut verabreicht. Der Eisprung wird wie bei den vorgenannten Verfahren durch eine Ovulationsspritze zu einem ärztlich festgelegten Zeitpunkt ausgelöst. Unmittelbar vor dem Eisprung werden durch eine Punktion der Eibläschen die darin enthaltenen Eizellen abgesaugt.

Sämtliche von uns verwendeten Medikamente sind seit Jahren bewährt und entsprechen dem internationalen Standard.

Hormone, die eingesetzt werden:

Clomifen

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Bei Störungen der Eizellreifung hat sich die Gabe von Clomifen als schonende und oft erfolgreiche Therapieoption bewährt. Dieses Medikament täuscht dem Körper einen Östrogenmangel vor, sodass die Eierstöcke über die körpereigenen Steuerhormone (den Gonadotropinen LH und FSH) zu stärkerer Hormonproduktion angeregt werden. Dadurch kommt es in vielen Fällen zu einem verbesserten Wachstum der Eibläschen (Follikel).

Üblicherweise wird eine Stimulation mit Clomifen zwischen dem 2. und 5. Zyklustag begonnen und durch die Einnahme von 1-2 Tabletten (die individuelle Dosierung wird ärztlich festgelegt) pro Tag für 5 Tage fortgeführt.

Eine Ultraschallkontrolle vor dem Eisprung ist sehr wichtig, da es zum Heranreifen mehrerer Follikel kommen kann. So kann das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft rechtzeitig erkannt werden.

Clomifen wird sowohl in Zyklen mit sogenanntem Verkehr zum Optimum (VZO) als auch zur Vorbereitung einer Insemination eingesetzt.

Die Behandlung mit Clomifen ist auf max. 6 Zyklen begrenzt. Danach ist mit keiner Steigerung der Schwangerschaftschance mehr zu rechnen. Die Therapie sollte dann mit einem anderen Verfahren fortgesetzt werden.

Gonadotropine

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Als Gonadotropine bezeichnet man körpereigene Hormone, die das Wachstum der Eibläschen (Follikel) direkt beeinflussen. Sie werden eingesetzt, wenn z. B. die Reaktion der Eierstöcke oder der Gebärmutterschleimhaut auf die Stimulation mit Clomifen unzureichend war oder Maßnahmen der künstlichen Befruchtung (IVF, ICSI) erforderlich sind.

Die in der Kinderwunschbehandlung eingesetzten Gonadotropine entsprechen in Struktur und Wirkung den körpereigenen Hormonen LH und FSH. Die Dosierung wird von uns für jede Patientin individuell festgelegt und richtet sich nach dem jeweiligen Behandlungsziel und den erhobenen klinischen und laborchemischen Befunden.

Eisprung auslösen

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Ist nach dem Einsatz von Clomifen oder auch Gonadotropinen eine ausreichende Reifung der Eibläschen erfolgt, wird üblicherweise durch eine zusätzliche Spritze der Eisprung ausgelöst. Insbesondere bei künstlichen Befruchtungen und Inseminationen ist die Bestimmbarkeit des Zeitpunktes des Eisprungs sehr wichtig. Zum Auslösen des Eisprungs wird eine Spritze mit körpereigenen Hormonen eingesetzt.

Gelbkörperunterstützung

Zur Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung ist es unabdingbar, einen ausreichenden Einfluss von Gelbkörperhormonen (Gestagenen) zu haben.

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Auch in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist für den Erhalt der Schwangerschaft das Gelbkörperhormon sehr wichtig. Dieses wird von den im Eierstock verbliebenen Resten des Eibläschens produziert. Ein Mangel an Gelbkörperhormon läßt sich im Labor oft nicht ausreichend früh erkennen. Daher ist bei einer Kinderwunschbehandlung die Unterstützung der Gelbkörperphase nach dem Eisprung sinnvoll.

Zur Unterstützung der Gelbkörperphase werden einerseits künstliche Gelbkörperhormone verwendet, die dem körpereigenen ähnlich sind und mittels vaginaler Applikation oder in Form von subkutanen Spritzen zum Einsatz kommen. Eine andere Möglichkeit der Unterstützung ist die Anregung der körpereigenen Gelbkörperhormonproduktion durch das Hormon HCG.

Weitere unterstützende Maßnahmen

Optimierung der Schilddrüsenfunktion

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Im Rahmen der Hormondiagnostik vor einer Kinderwunschbehandlung wird von uns regelmäßig eine Überprüfung der Schilddrüse durchgeführt. Es werden sämtliche Schilddrüsenparameter untersucht. Dies gestattet uns, sehr frühzeitig auch leichte Funktionsstörungen der Schilddrüse zu erkennen und vor Eintritt einer Schwangerschaft zu behandeln.

Dazu gehört auch die weit verbreitete Autoimmunthyreopathie „Hashimoto“. Eine Erkrankungen, bei der ein erhöhtes Abortrisiko besteht.

Nach Auswertung der Schilddrüsenuntersuchungen wird bei Auffälligkeiten in unserem Zentrum eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse (durch unsere spezialisierte Internisten) durchgeführt, um weitere Informationen zu bestehenden Schilddrüsenfehlfunktionen zu erhalten. Die erforderliche Therapie wird dann eingeleitet.

Da selbst leichte Fehlfunktionen der Schilddrüse Auswirkungen auf die Entwicklung, insbesondere des kindlichen Gehirns in der Frühschwangerschaft, haben können, legen wir ein besonderes Augenmerk auf eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie.

Korrektur von männlichen Hormonen

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Häufig findet man bei Frauen mit einem gestörten Zyklusablauf eine Erhöhung der männlichen Hormone im Blut. Dies kann verschiedene Ursachen haben, die abgeklärt werden. Am häufigsten findet sich die Störung bei Patientinnen mit sogenanntem PCO-Syndrom. Dies ist eine Störung der Eierstockfunktion, die mit Ausbleiben des Eisprungs einhergeht, daher resultieren meist unregelmäßige Zyklen oder ein komplettes Ausbleiben der Regelblutung. Die Eierstöcke zeigen typischerweise im Ultraschall ein Bild mit vielen kleinen Eibläschen , woher der irreführende Name „polycystisch“ kommt. Außerdem sind oft verschiedene andere Hormonstörungen mit dieser Erkrankung verknüpft. Bei erhöhten männlichen Hormonen wird versucht, diese zu senken mit Behandlung der Ursachen. Auch deshalb, weil nicht nur Zyklusstörungen damit verbunden sind, sondern auch wegen der oft störendenden vermehrten Körperbehaarung oder Akneproblemen.

Behandlung einer Insulinresistenz

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Insbesondere beim sogenannten PCO-Syndrom (siehe auch „Korrektur von männlichen Hormonen“) , aber auch allgemein bei übergewichtigen Patientinnen findet sich eine Insulinresistenz. Dies ist oft die Ursache für einen später sich entwickelnden Diabetes mellitus. Hierbei benötigt der Körper mehr Insulin, um Zuckermoleküle in die Zelle bringen zu können für deren Metabolismus. Folge ist ein höherer Insulinspiegel mit Neigung zu Übergewicht und indirekt verbundenen Zyklusstörungen, da Insulin indirekt Einfluss hat auf die zentralen Steuerungsmechanismen der Eierstöcke. Um die daraus resultierenden Zyklusstörungen zu behandeln, wird eine Korrektur eines eventuellen Übergewichts notwendig, ggfs. wird medikamentös unterstützt (z.B. durch Metformin).

Behandlung einer Überproduktion von Prolaktin

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Prolaktin wird aus der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet und ist u.a. für die Milchproduktion in der Stillzeit notwendig. Bei manchen findet sich auch außerhalb von Schwangerschaaft und Stillzeit ein erhöhter Blutspiegel, was zu Zyklusstörungen führen kann. Ursache ist z.T. vermehrter Stress und auch Medikamente (insbes. Psychopharmaka), i seltenen Fällen ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse. Der erhöhte Spiegel kann ggfs. medikamentös gesenkt werden.

Therapie von Mangelzuständen (Eisen, Vitamine)

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Im Rahmen der Basisdiagnostik werden auch die Spiegel von Vitaminen , dem Eisenhaushalt u.a. kontrolliert, die wichtig für die Fertilität und Schwangerschaft sind, um eventuelle Mangelzustände zu korrigieren. Besonders wichtig sind hier Vitamin D, B12 und Eisen. Allen Frauen mit Kinderwunsch wird eine Substitution mit Folsäure und Jod (Ausnahme: bestimmte Schilddrüsenerkrankungen) angeraten.

Weiteres unter: Was sie selber tun können