IVF & ICSI

Sollte bei der Frau ein Verschluss der Eileiter oder eine Endometriose diagnostiziert werden, oder eine schwere Störung der Spermienproduktion des Mannes, ist die Durchführung einer IVF-Behandlung bzw. einer ICSI-Behandlung sinnvoll. Dies gilt auch nach mehrfachen erfolglosen Inseminationen.

Die Befruchtung (In-vitro-Fertilisation = IVF) wird seit fast 40 Jahren erfolgreich angewandt. Bis zum Jahr 2012 sind mehr als 5 Mio. Kinder weltweit mit Hilfe dieser Methode entstanden und dieser Trend verstärkt sich in den letzten Jahren weiter.

Die Methode kommt insbesondere dann erfolgreich zum Einsatz, wenn ein Verschluss der Eileiter diagnostiziert wird oder bei einer sog. Endometriose. Auf Seiten des Mannes kann eine erhebliche Einschränkung der Spermienqualität Grund für die Durchführung einer IVF-Behandlung sein. Auch nach mehreren erfolglosen Inseminationen ist die IVF sinnvoll.

Eierstockstimulation

Um die Erfolgschancen einer IVF- bzw. ICSI-Therapie zu erhöhen, wird üblicherweise eine Stimulation der Eierstöcke mittels Hormonen gemacht, um nicht nur eine, sondern mehrere Eizellen im Zyklus reifen zu lassen. Auf diese Weise erhöht man die Chancen, dass sich in einem Zyklus i die geeignete Eizelle finden lässt, die am Ende zu einer Schwangerschaft führt. Die Stimulation verkürzt also die Therapiedauer bis zu einer erfolgreichen Schwangerschaft.

Die verwendeten Hormone sind meist sogenannte Gonadotropine (siehe auch unter „Hormontherapie“), diese werden in Form subkutaner Spritzen verabreicht. Die Applikation der Spritzen wird vor Behandlungsbeginn demonstriert, sodass das Patientenpaar in der Regel selbst die Medikation geben kann.

Follikelpunktion

Die Follikelpunktion erfolgt im Allgemeinen unter einer leichten Narkose. Von der Scheide aus werden mit einem Ultraschallgerät die Eierstöcke dargestellt, so wie Sie dies auch von der normalen gynäkologischen Untersuchung kennen. An der Ultraschallsonde ist eine Führungshülse befestigt, durch die eine sehr feine Nadel durch die Scheidenwand hindurch bis in den Eierstock vorgeschoben wird, so dass die dort sichtbaren Eibläschen abgesaugt werden können.

Da dieser Vorgang schmerzhaft ist, empfehlen wir eine leichte Narkose. Die Eizellen werden aus der abgesaugten Flüssigkeit unter dem Mikroskop herausgenommen und für die entsprechende Variante der künstlichen Befruchtung weiter vorbereitet.

Nach diesem Eingriff (Punktion) kann es zu einer leichten Blutung kommen. Diese ist völlig unbedenklich. Ebenso sind in den nächsten Tagen leichte Unterbauchbeschwerden normal.

Die Befruchtung im Labor

Nach Entnahme der Eizellen in der Punktion werden diese nun befruchtet mit den Samen des Partners bzw. eines Samenspenders. Der Partner gibt dazu meist eine frische Probe am Tag der Punktion ab oder eine vorher gewonnene Probe wird aufgetaut (dieses auch im Falle einer TESE-Probe).

Bei der „konventionellen IVF“ werden bei ausreichender Samenqualität die Spermien nach einer Aufbereitung mit den Eizellen in einer Nährlösung zusammengeführt. Hier findet im Inkubator dann die „fast natürliche“ Befruchtung statt, d.h. die Samenzellen müssen aus eigener Kraft in die Eizellen eindringen. Hierzu ist aber eine ausreichende Anzahl funktionierender Spermien notwendig, man rechnet ca. 100.000 pro Eizelle.

 

Sollte die Anzahl der funktionierenden Samenzellen deutlich eingeschränkt sein, wird die Methode der ICSI empfohlen (intracytoplasmatische Spermien-Injektion). Hier wird unter einem hochauflösenden Mikroskop das am besten geeignete Spermium ausgewählt, das dann in die Eizelle direkt eingebracht wird.

Bei beiden Techniken löst die Anwesenheit des Spermiums in der reifen Eizelle den Befruchtungsvorgang aus, den man am Folgetag unter dem Mikroskop kontrolliert.

Der Embryotransfer

Nach mehreren Tagen der Kultur der befruchteten Eizelle hat sich aus dieser normalerweise ein mehrzelliger Embryo entwickelt. Dieser kann dann mit Hilfe eines dünnen Katheters in die Gebärmutter der Patientin zurückgeführt werden, damit er sich dort einnisten kann, und somit eine regelrechte Schwangerschaft entsteht.

Das Einsetzten der befruchteten Eizellen geschieht ohne Narkose. Es wird ein sehr feiner Schlauch durch den Gebärmutterhalskanal bis in die Gebärmutterhöhle vorgeschoben und die befruchteten Eizellen eingespült.

Dieser Vorgang ist völlig schmerzfrei. Nach dem Einspülen der Eizellen ist ein weiteres Liegen nicht notwendig und verbessert auch nicht die Wahrscheinlichkeit auf den Eintritt einer Schwangerschaft.

Die „Mini-IVF“ oder „natural cycle IVF“

Die Befruchtung der Eizelle im Labor ist auch ohne Einsatz der Stimulation oder mit nur sehr geringen Dosen der Stimulation möglich. Die ersten IVF-Behandlungen fanden ohne Stimulation statt, da die dazu notwendigen Medikamente erst später entwickelt wurden. Heutzutage wird die Stimulation immer mehr kritisiert aufgrund möglicher Nebenwirkungen oder Risiken für die Patientin und eventuelle Folgen für die Kinder, außerdem ist das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften erhöht. Mit Verbesserung der Techniken werden heutzutage weniger Eizellen benötigt für den Erfolg der IVF. Bei manchen Patientinnen bestehen auch aus gesundheitlichen Gründen Kontraindikationen gegen eine Hormonstimulation, andere wünschen schlichtweg keine zusätzliche Hormontherapie. 

In diesen Fällen bieten wir die IVF mit minimaler oder ohne jegliche Stimulation an. Bei letzterer wird der spontane Zyklusverlauf abgewartet bis das Eibläschen ausreichend gereift ist. Dann wird meist der Eisprung ausgelöst, um die Punktion der Eizelle besser planen zu können. Die Eizellentnahme kann dann ohne Narkose erfolgen.

Die Chancen

"Wie hoch sind denn unsere Chancen?" Es ist nur zu verständlich, dass diese Frage Sie ganz besonders bewegt. Als Erfolgsrate einer IVF-Behandlung wird weltweit die Schwangerschaftsrate nach Embryotransfer angesehen. Das heißt: Wie oft entsteht nach einem Embryotransfer eine Schwangerschaft? Im internationalen Vergleich aller IVF-Zentren liegt diese Rate im Durchschnitt bei 20-25%. Oder anders gesagt: Jeder vierte bis fünfte Embryotransfer führt zu einer Schwangerschaft. Mit der Zahl der Versuche pro Patientin steigt die Schwangerschaftsrate an. Nach dreimaliger IVF-Behandlung liegt die sogenannte kumulative Schwangerschaftsrate weltweit bei etwa 50 bis 60%.

Das heißt: Nach 3 Embryotransfers ist mehr als jede zweite Frau schwanger.

Vorsicht ist geboten wenn insbesondere Kinderwunschzentren im benachbarten Ausland mit Schwangerschaftsraten von 60% pro Behandlung locken, immer mit dem Hinweis, das dort mehr erlaubt sei als in Deutschland. Auch hier sind die kumulativen Schwangerschaftsraten gemeint, eine Rate von 60% pro Behandlung ist biologisch schlicht nicht möglich.